Tagebuch #2 – Panik, Schimmel und andere Gewerke

Dieses Mal rief mich ein Architekt ganz panisch an, dass in einem seiner Neubauten kurz vor der Fertigstellung Schimmel an einer Stelle gefunden wurde.

Das Objekt ist ein (hochpreisiges) 2-geschossiges Haus mit Klinker und Flachdach. In einer Ecke im OG gab es leichten Schimmelbefall. Beim betreten des Hauses, schlugen mir direkt 100% Luftfeuchtigkeit entgegen: der Estrich wurde vor wenigen Tagen eingebracht und niemand kam auf die Idee mal zu lüften. Eine Lüftungsanlage wurde ebenfalls nicht eingebaut und ein Lüftungskonzept war nicht vorhanden (Anmerkung: Oft wird in solchen Fällen das Lüftungskonzept noch schnell nachträglich ausgestellt, die Fenster mit Fensterfalzlüftern ergänzt und alle sind unzufrieden).

Das Wasser lief also schon in Strömen die Fenster herunter, die Luft war zu feucht und warm zum atmen. Bei solchen Bedingungen lässt sich der Schimmel natürlich nicht lang bitten. Die Gipskartonplatten der Decke waren zum Glück noch nicht angebracht, sodass der Befall der Sparren noch entdeckt werden konnte. Eine kurze Nachfrage, wann der Schimmel entdeckt wurde und welches Gewerk zuletzt an dieser Gebäudeecke gearbeitet hatte, brachte dann die richtige Spur: Der Dachdecker hatte das hinter dem Klinker liegende Fallrohr der Dachentwässerung angeschlossen und dabei großzügig die Dämmung entfernt – und nicht wieder eingebaut. Trotz relativ warmer Außenlufttemperaturen reichte diese Wärmebrücke aus, um dem Schimmelpilz ideale Wachstumsbedingungen zu schaffen.

Fazit: Kümmert euch auch in der Bauphase schon um die notwendige Abfuhr der Luftfeuchtigkeit, insbesondere wenn es noch baubedingte Wärmebrücken gibt. Die Schimmelsporen und das Myzel im Putz oder im Holz verschwinden nicht, wenn die Wachstumsbedingungen wieder schlechter werden, sondern warten solange, bis die Bedingungen wieder besser werden und sie weiterwachsen können. Damit ist der Neubau direkt kontaminiert und das nächste Wachstum geht bedeutend schneller.

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