Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Architektenhaus und einem Fertighaus?

Wenn ihr andere Leute fragt, wie ihr Haus gebaut wurde, kommt meist nur einer dieser beiden Antworten: „Wir haben ein Architektenhaus gebaut“ oder „Wir haben ein Fertighaus gebaut“. Aber wo genau besteht der Unterschied? Und gibt es noch andere Möglichkeiten?

Um die Rolle des Planers zu verstehen, muss man sich kurz das öffentlich-rechtliche Prozedere der Bau-Ordnungen in Deutschland anschauen. Je nach Gebäudeklasse und länderspezifischer Bau-Ordnung muss ein bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser den Bauantrag stellen. Dazu müssen Wärmeschutznachweis, Schallschutznachweis und Brandschutzkonzept entweder bei Baubeginn vorliegen, zum Antrag mit eingereicht werden oder der Entwurfsverfasser muss die Konformität bestätigen. Am Ende wird vom örtlichen Bauamt eine Fertigbauabnahme gemacht und von einem Sachverständigen die geplanten Wärme- und Schallschutzmaßnahmen bestätigt.

Entwurf, Zeichnung, Bauantrag

Der Planer ist also zuständig für den Bauantrag. Aber: er kann euch auch den Grundriss entwerfen. Und genau da liegt der grundsätzliche Unterschied. Entscheidet ihr euch für ein Fertighaus, sucht ihr euch einen Grundriss aus dem Katalog aus und könnt in der Regel nur marginale Dinge ändern – wenn überhaupt. Ein Architektenhaus ist ein für euch individuell geplantes Haus. Dabei ist es letztlich egal, ob ihr einen Architekten für den gesamten Entwurf beauftragt, euren Grundriss selber anfertigt und zeichnen lasst oder es von einem Bauunternehmen planen lasst. Allen Varianten ist gemein, dass letztlich ein bauvorlageberechtigter Entwurfsverfasser die Planung unterschreiben und beim Bauamt einreichen muss.

Rohbau eines Hauses
Der Rohbau eines Massivhauses mit fertigem Dachstuhl

Lasst euch nicht von Preisen blenden

Aber kostet ein individuelles Haus nicht viel mehr? Wie immer ist die Antwort ein klares Jein. Die Planungskosten sind bei einer individuellen Planung oft erstmal etwas teurer. Ist nachvollziehbar, denn Fertighausbauer planen nur einmal – und verkaufen den gleichen Grundriss an viele Kunden. Ein Planer geht so individuell auf eure Bedürfnisse ein, dass dieser Grundriss nur für euch in Frage kommt. Aber genau dort liegt auch der Vorteil: denn durch die perfekte Anpassung an euch, eure Bedürfnisse und zuletzt euer Grundstück, können Planungskosten im Bau und Betrieb wieder reingeholt werden. Einfaches Beispiel? Durch geschickte Anordnung der Räume nach Süden und Nutzung von passiver Solarenergie können Heizkosten eingespart werden. Der vorgefertigte Grundriss hingegen kann auf eurem Grundstück nur nach Osten ausgerichtet werden. Damit habt ihr weniger Wohnqualität und letztlich mehr Heizkosten.
Oft sieht der Fertigpreis eines Kataloghauses natürlich gut, weil sicher und planbar, aus. Sind Handwerker günstiger als kalkuliert, streicht sich aber der Fertighausbauer die Marge ein. Ein Architekt gibt euch die Rechnungen 1:1 weiter – und er profitiert nach HAOI sogar davon, wenn er euch das Haus günstiger bauen kann, als vorher veranschlagt. Zudem sind die Bau- und Leistungsbeschreibungen der Fertighausbauer oft nicht vollständig, bzw. dem Laien ist nicht immer klar, dass die Erdarbeiten schnell die 10.000€-Marke knacken können, der Baustromkasten auch mal eben 500€ verschlingt und am Ende der Bauantrag, Vermesser, Statiker, etc. auch noch selber bezahlt werden müssen.

Ein Fertighaus wird aufgestellt
Ein Autokran liefert die vorgefertigten Teile und stellt diese auf.

Darfs doch der andere Klinker sein?

Mit einem individuell gebauten Haus seid ihr auch während der Bauphase viel flexibler. So kann, im Rahmen der Statik, auch mal eine Tür oder Wand verschoben, ein Fenster größer oder die Klinkerfarbe geändert werden. Und das oft ohne Aufpreis. Im Gegensatz dazu müsst ihr eurem Planer und Bauunternehmer allerdings Vertrauen. Denn euer Haus wird ja das erste Mal überhaupt für euch gebaut. Ein „what you see is what you get“ wie bei einem Fertighausbauer gibt es dort nicht.

Letztlich müsst ihr euch noch im Klaren darüber sein, dass Fertighausbauer eigene Marketing- und Vetriebsstrukturen haben. Sie sind Meister beim verkaufen – denn das haben die Verkäufer eben gelernt. Solche Möglichkeiten haben mittelständische Architekten, Planer und Bauunternehmer oft nicht, aber deshalb sind die Leistungen natürlich nicht schlechter. Führt euch das nur ab und an einmal vor Augen und durchschaut die Verkaufstricks, um für euch die beste eigene Entscheidung zu treffen.